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Die Familie Führmann stammt aus

Hildesheim, Burgstraße

August Führmann war der älteste Sohn von Fritz Führmann, einem Schuster aus der Burgstraße in Hildesheim. Dort gab es Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts viele Schuhmacher und Schuster. Man half sich gegenseitig, damit jeder die Arbeit schaffte und zugleich jeder Arbeit hatte. Das berichtete der heute noch in Hildesheim ansässige Schuster Fritz in der Burgstraße.

August heiratete Sophie, geborene Nordhoff, Tochter von Helene Nordhoff, die das 2. Kind der 12köpfigen Familie Nordhoff von dem in der Mitte des Dorfs Emmerke ansässigen Bauernhofes war. Emmerke war eine katholische Enklave inmitten des preußisch-evangelischen Bereichs Hannover und Umgebung. Hildesheim selber war schon im 10. Jahrhundert der Sitz des Bischofs Bernward und seines Nachfolgers Godehard. So heißen die Enkel von August und Sophie. Zu Sophie muss man wissen, dass sie im Alter von nur wenigen Wochen im Jahre 1897 ihre Mutter Helene verlor, die plötzlich starb, vermutlich noch an den Folgen einer Infektion durch die Geburt. Sophie hatte im jungen Alter (im Jahre 1927) auch ihren Vater, Hermann Bähr, verloren. Da waren ihre älteren Geschwister Hermann und Helene Bähr noch, aber da Sophie bei einem "Fräulein von der Ehe", deren genauen Daten ich noch nicht erforschen konnte, in Betreuung. In den 60er Jahren besuchten wir sie einmal in Eiserfey in der Eifel. Weitere Forschungen habe ich da noch nicht gemacht.

Meine Mutter, Gisela, war die älteste Tochter von August Führmann. Ihr Bruder Walter wurde in Staraja Russa bei einer Übung angeblich zerfetzt, ihr Bruder Georg, der mir nach meiner Geburt Bananen gebracht hatte (etwas Seltenes zu dieser Zeit), verunglückte mit seinem Motorrad in Leverkusen-Fettehenne. Als aktives Mitglied der Kolping-Familie in Steinbüchel war er viele Jahre noch in deren Erinnerung, weil die gesamte Familie Führmann beliebt und respektiert war. Nicht weil August Lehrer war (da war er eher wegen seiner preußischen Erziehungsmethoden gefürchtet), sondern weil er seinen Kindern verbot, Mitglied einer der Nazi-Organisationen zu werden. Die mussten bei den Bauern helfen, aber sie durften nicht mit den Nazis zusammen sein. - August gründete das Mandolinen-Orchester in Leverkusen-Steinbüchel, Gisela gab Unterricht mit der Laute und der Mandoline und war bekannt für ihren Gesang. Man war katholisch im besten rheinischen Sinne. Und mein Großvater tippte auch die Briefe des Bischofs von Galen ab, der im Widerstand zu Hitler stand und dafür auch inhaftiert war. Der "Löwe von Münster", wie man ihn nannte, kämpfte gegen die Naziziele der "Vernichtung minderwertigen Lebens", dem Hauptziel der Nazis: Massenmord an Juden, Obdachlosen, Kranken.... In dieser Widerstandstradition empfinden wir uns als Familie. Und das möge man auch immer weitergeben. Niemals wieder FAschismus, Rassismus, Antisemitismus. In keiner Form.

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Die andere Hälfte der Familie heißt Boden. Meine Eltern verlobten sich  an einem Heiligen Abend. Und so genossen wir Kinder ab den 50ern dann immer auch diesen Glanz, der für meine Eltern wie die eigene Krippenerfahrung war. Die alte Mansarde im Haus meiner Oma Anna, der Mutter meines Vaters, war klein und eng. Als mein Bruder geboren wurde, konnten meine Eltern mit Krediten der Kirche und der Firma Bayer AG und des Landes eine Reihenhaus-Hälfte kaufen. Aber als mein Großvater nicht mehr in der Wohnung wohnen konnte, in die er 1932 eingezogen war, mussten meine Eltern das Darlehen zurückzahlen - mit hohen Zinsen. Und das hat uns Armut gebracht, die erst 1984 zu enden schien. Aber mit der Rente meiner Mutter von 100 Euro, und meines Vaters mit 800 Euro war vorgezeichnet, dass sie ihr altes Holzhäuschen und die Wiese auch noch verloren - für eine miserable Pflege. Nicht weil die Pflegekräfte alle schlimm waren. Nein, sie wechselten oft, waren oft inkompetent, ... ein Drama, von dem ich mich als Sohn nicht mehr erholt habe - bis heute.

 

 

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